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BERICHT Wheelchair-Dance Project

Diese Seite wurde im Auftrag des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt.

Das Rollstuhltanz-Projekt wurde dank des Förderprogramms Künstlerstipendien NRW Sofort HIlfe 2021 realisiert.

Wer wir sind:

Paolo Fossa
Tänzer, Choreograf, Dozent für Zeitgenössischen Tanz und Improvisation und Forscher
er hat das Projekt konzipiert
.
 

Paolo Fossa ist Choreograf, Tänzer und Dozent. Seit den letzten 25 Jahren arbeitet er und wendet seine Kenntnisse über den Körper in Bewegung auf den Zeitgenössischen Tanz und die Improvisation an.

Er unterrichtet an verschiedenen Theatern, Tanzakademien, Hochschulen und Tanzinstitutionen, u.a. am Theater Bremen, Kassel, an der Folkwang Universität, an der Hochschule für Theater und Tanz Amsterdam und im Tanzhaus NRW in Düsseldorf. Mit diesen Einrichtungen realisiert Fossa auch mehrere Produktionen. Seit 2017 führte er zusammen mit der Tanzcompagnie Gießen, in der ist er schon von 2015 als Ballettmaster für Zeitgenössischer Tanz tätig, ein tanzpädagogisches Projekt in Shenzhen/China durch.

Parallel zu seiner Bühnentätigkeit arbeite er mit Privat- und Stadtinstitutionen zusammen und leitet mehrere soziale Projekte mit Mixable Tänzern und Jugendlichen.

Mit der Choreografin Gerda König, arbeitet er seit 2020 zusammen an der Schaffung einer neuen Methode des Studiums des zeitgenössischen Tanzes M.A.D.E. ( Mixed-Abled Dance Education).

Seit 2007 leitet sie mit dem Programm "Kultur und Schule" verschiedene Projekte in Schulen.

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Denise Kastler
Tänzerin und Forscherin
sie hat an der Entwicklung und Umsetzung des Projekts mitgewirkt

 

Geboren 1961 in Neubrandenburg;

aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Mecklenburg;

Schulbesuch bis 1978;

Unfall und anschließend Nutzung eines Rollstuhls;

Abitur 1981; Studium der Mathematik und Psychologie an der HU Berlin;

Arbeit als Psychotherapeutin mit Kindern und ihren Familien ab 1990 bis 2020

Beginn mit Tanzen ab 2013 in der Initiative „tanzfähig“ in Berlin

Abschluss der DanceAbility-Teacher-Ausbildung bei Alito Alessi 2016

Teilnahme an Workshops mit Adam Benjamin, Jess Curtis, Claire Cunningham, Rosalind Crisp, Tanja Erhart, matanicola.

Teilnahme am europäischen Projekt „Moving beyond inclusion“ als Mitglied von „tanzfähig“.

Forschung mit „matanicola“(Matan Zamir and Nicola Mascia) im Rahmen von „Moving beyond inclusion“.

 

Beginn der „Mixed-Abled-Dance-Education“  2019 mit Gerda König und Gitta Roser in Düsseldorf/Essen.

 

Vermittlung von Tanz an der Volkshochschule Uelzen ab 2018

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Kurze Bericht über unser Projekt

Das Wheel Dance Project zielt darauf ab, ein spezielles Training für Menschen in aktiven Rollstühlen zu entwickeln.
Dieses Training zielt auf die allgemeine Fitness der Person und das Erreichen einer guten Gelenkbeweglichkeit und Muskeleffizienz ab, was eine gute Grundlage für das Training im Alltag und als Vorbereitung für intensivere körperliche Aktivitäten darstellt.

Das Forschungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit Denise Kastler und Ulli Ullmann durchgeführt, die beide aktive Rollstuhltänzerinnen sind.

Wir sind relativ zufrieden mit der geleisteten Arbeit, auch wenn wir nicht alle Ziele, die wir uns gesetzt hatten, erreicht haben.
Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir diese Forschung als eine erste Phase betrachten, die wir in den kommenden Monaten mit zusätzlichen Mitteln fortsetzen wollen.

Wie wir unsere Forschung durchgeführt haben:
Von Mai bis Dezember haben wir etwa 20 Online-Treffen durchgeführt, die sich wie folgt verteilen:

Mai 4 Treffen von 2,5 Stunden
Juni 2 Treffen à 2,5 Stunden
Juli - wir haben an der Theorie gearbeitet - verschiedene Autoren gelesen und unsere Eindrücke aufgeschrieben.
August 3 Treffen à 2,5 Stunden
September 3 Treffen à 2,5 Stunden
November 4 Treffen à 2,5 Stunden
Dezember 4 Treffen à 2,5 Stunden

Seit November haben wir unsere Zusammenarbeit mit einem neuen Protagonisten, Ulli Ullmann, einem aktiven Rollstuhltänzer, erweitert. Leider waren wir nicht in der Lage, brauchbare Videos für diese erste Phase des Projekts zu erstellen.

Bei unseren Treffen beschäftigten wir uns sowohl mit der Praxis, indem wir geeignete und originelle Übungen erstellten, als auch mit dem theoretischen Teil der Schulungen und berücksichtigten dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Nutzer. Zum Beispiel die Art der Behinderung, die Eigenschaften des Stuhls, die Gewohnheiten und die körperlichen und kognitiven Kenntnisse der verschiedenen Menschen.
Vorerst haben wir 12 verschiedene Übungen entwickelt, die sich auf 3 Themen konzentrieren, die wir für grundlegend halten.
I.   Das Gleichgewicht des Kopfes im Verhältnis zum Sitz. Verbindung von Kopf und Steißbein mit den
  Sitzknochen.

II.  Mobilisierung der Gelenke der oberen Gliedmaßen. Unterstützung der Rückenmuskulatur bei der
  Bewegung.

III. Verbindung und Harmonisierung der Bewegungen des Stuhls mit den Gewichtsbewegungen des
  Körpers. Mit anderen Worten: Wir haben die Arbeit von Punkt 1 und 2 kombiniert, um
  Bewegungen im Raum zu provozieren, die nicht nur funktional sind, sondern auch eine ästhetische
  und expressive Funktion haben.
  Das führte eindeutig zu einer Verbesserung der Fähigkeiten in den alltäglichen Bewegungen.

Bei der Entwicklung unseres Trainings haben wir uns von Tanztechniken und verschiedenen Bewegungstechniken inspirieren lassen, von so genannten somatischen Techniken über einige Kampfsportarten bis hin zu Trainingsmethoden aus dem Sport und natürlich von Übungen zur Visualisierung von Bewegung und Improvisation.
Einige Referenzen.

Somatische Praktiken:
Feldenkrais-Methode,
Bartenieff-Grundlagen,
Alexander-Technik.
Visualisierung der Bewegung

Angewandte Tanztechniken:
Befreiungstechnik,
Kontaktimprovisation,
Tief fliegen,
Cecchetti.
Mentales Training
Paolo Fossa MAT (Mixed Able Training) erstellt von Paolo Fossa für MADE (Mixed Able Dance Education).

Kampfsportarten
Grundsätze des Iyengar Yoga
Tai-Chi Chuan
Chi Gong
Körper Wetter

Übungen, die in Zusammenarbeit mit dem Osteopathen Ulrich Gussone durchgeführt werden und auf sport- und tanzwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen
Neuronales Training
Streichung Speziell für die oberen Gliedmaßen


Wir haben uns entschieden, die Ergebnisse der Forschungsarbeit nicht in Form eines Video-Tutorials zu veröffentlichen, weil wir glauben, dass sie noch unausgereift sind. Wir müssen an dem Material arbeiten, um es für alle Arten von aktiven Rollstuhlfahrern geeignet zu machen, und um das zu erreichen, müssen wir mit mehr Tänzern arbeiten und mehr Zeit haben, die Ergebnisse zu beobachten.
Unsere Meinung wurde durch die Feedbacks der Rollstuhltänzerin Ulli Ulmann aus Linz bestätigt, die sich dem Projekt im November angeschlossen hat und die, obwohl sie die gleiche Art von Behinderung hat, einen ganz anderen Stuhl als Frau Kastler benutzt.

Deshalb haben wir auch die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels verschoben, um mehr Informationen zu erhalten. Wir haben jedoch die Unterstützung des Osteopathen Ulrich Gussone aus Düsseldorf und der Forscherin Judith-Elisa Kaufmann gewonnen, die uns bei der Veröffentlichung unseres Artikels im Jahr 2022 unterstützen werden.


In den acht Monaten unserer Arbeit haben wir:

 

  • eine Arbeitsmethode auf der Grundlage von Videokonferenzen entwickelt.

Daher wurden Übungen entworfen, die mit diesem Medium durchgeführt werden können.

  • Die grundlegenden Bewegungsbedürfnisse eines Menschen in einem Aktivrollstuhl definiert, unabhängig davon, ob er oder sie tanzt.

  • Entdeckte Bewegungsmuster, die zu charakteristischen Kontrakturen und typischen Körperhaltungen führen. Und wir haben gezielte Übungen zur Dehnung verspannter Muskelgruppen und zur Verbesserung von Haltungsfehlern erarbeitet.


Wir können sagen, dass wir am Ende dieser Projektphase fast alle unsere Ziele erreicht haben und neue Ziele entstanden sind.
Die Unterstützung durch dieses Stipendium hat es uns ermöglicht, ein solides Fundament für ein Projekt zu legen, das erst am Anfang eines langen Entwicklungsprozesses im Bereich der Gesundheit und der körperlichen und geistigen Entwicklung von aktiven Rollstuhlfahrern steht, in dem noch viel erforscht und aufgebaut werden muss.
Wir sind sehr dankbar für die Chance, die uns gegeben wurde, und hoffen, dass wir durch unsere Arbeit einen positiven Beitrag leisten konnten.

Um über die Arbeit der letzten acht Monate berichten zu können, haben wir zwei Dokumentationsvideos erstellt.
Im ersten Video haben wir die wichtigsten Teile der 20 Treffen zusammengefasst, die wir von Mai bis Dezember per Videokonferenz durchgeführt haben.
In der zweiten, die am 14. Dezember stattfand, gaben wir ein kurzes Tanzbeispiel für das Ergebnis unserer Arbeit. Die kurze Improvisation fasst verschiedene Elemente unserer Arbeit zusammen. Der Titel "Kleiner Tanz" wurde durch die großartige Forschungsarbeit von Steve Paxton inspiriert.


 

Video Dokumentation zum Projekt

Feedback von Denise Karstler
 

körperliche Ausdrucksfähigkeit: Hat sich leicht insofern verändert, als ich mich jetzt weniger auf das stabile (armfreie) Sitzen konzentrieren muss und dadurch mehr Möglichkeiten sich entwickeln/entwickeln können, etwas mit dem Ar-men/Händen zu tun.

Unterschiede dieser Art des Trainings von jeder anderen Art körperlichen Trainings: Es geht hier vor allem um das Spüren des Körpers in seiner Aufrichtung und Balance und seinen Beweglichkeiten, sowie Veränderungen in der Balance durch verschiedene Bewegungen. Grenzen der Bewegung. Immer wieder Stabilität im Sitzen finden. Und auch um das Differenzieren der beiden Seiten links und rechts bezüglich Gewichtsverlagerung und Stabiität/Mobilität. (stabile Seite-mobile Seite)

Veränderung im Alltag/im Training:
Ich habe gelernt, eine Übung länger durchzuführen (manchmal 10 bis 20 min), bis ich sie "verstehe" oder kleine Vari-ationen entstehen, die hilfreich sind. Und auch die tägliche Wiederholug ist so gut, weil nach einiger Zeit dann wirklich eine Veränderung beginnt, wie z. B. mehr Bewußtheit über den Körper oder mehr Leichtigkeit oder größerer Bewe-gungsradius.

Veränderung in meinem Denken über Bewegung:
Mich interessiert zunehmend mehr, wie ich in Bewegung komme ohne dass ich dies oder jenes tue. Was ich gelernt habe ist, dass Gewichtsverlagerung oder Spiralisierung Impulse für Bewegung in den Raum geben können. Ich möchte, dass die Übertragung dieser Energie auf eine Rollstuhlbewegung so direkt wie möglich passiert.
Bewegung ist ein Prozess, der Zeit benötigt (ich mache meist alles schnell). Es kann interessant sein, eine Bewe-gung wirklich bewußt von Beginn bis zum Ende zu machen. Und zu verstehen, was da gerade passiert, welche Gelenke sind aktiv, woher kommt Stabilität. Und auch darauf zu achten, wie die Körperspannung ist und bis wohin sie reicht. Oder auch, welcher Körperteil die Bewgung anführt und was nachfolgt.
All das versuche ich beim Training zu berücksichtigen, wenn ich die Übungen mache. Auch will ich die Armbewgung möglichst "groß" und raumgreifend ausführen. Und eine Drehung im Rollstuhl mit einer Hand am liebsten auf einem Punkt.

Darstellung der Bewegung, Abstraktion vom Bewegungsablauf:
Das ist etwas, das mir nicht gut gelingt. Damit kann ich nicht viel anfangen. Ich könnte das Ziel einer Bewegung beschreiben. Oder was mein Körper macht. Nach meinem jetzigen Erkenntnisstand würde ich die Stabilität bzw. wo ist das Gewicht, als sehr wichtig erachten. Wohin tendiert der Kopf, Was machen die Arme, sind sie eher passiv im Sinne von sie werden geführt oder aktiv im Sinne von führend.




Feedback zu spezifischen Übungen

Rückmeldung zu den Übungen (Winter 2021) Wie wirken sie auf meinen Körper? Was hat funktioniert, was nicht.


R.O.M.  Range of Motion
Eine sehr gute Übung, eigentlich sehr leicht und kaum anstrengend. Ich bewege viele Teile meines Körpers, dadurch werden sie mir bewußt. Weil ich alles einmal wiederhole, spüre ich die Veränderung beim 2. Mal (interessant, dass dann meistens mehr geht).Wenn ich versuche, ruhig im Zentrum zu bleiben, spüre ich , wenn ich aus der Balance komme.
Hilfreiche Hinweise: bei Kopfneigung höre ich mit dem Ohr auf die/der Schulter



Kopf-8 -Blume
Dies hat es in sich! Wegen meiner fehlenden Rumpfstabilität gleiche ich viel mit dem Kopf aus und halte mich mit Hilfe des Kopfes gerade. Deshalb ist dort alles meist sehr angespannt. Also schon schwierig, da etwas mehr Entspannung zu bekommen. Außerdem sind meine linken Halsmuskeln verkürzt wegen einer Operation in der Kindheit. Habe dann festgestellt, dass ich bei Rechtsneigung automatisch zur Stabilisierung mich mit dem rechten Arm abstütze, weil ich befürchte, nach rechts umzufallen. (Habe probiert, dass ich NICHT umfallen kann und zunehmend den rechten Arm nicht mehr benutzt, was auch funktioniert hat.)
Ich beobachte, ob die 8 gleichmäßig ist, wo es zieht, wo es leichter oder schwerer geht.
Hilfreicher Hinweis: Ich male die 8 an die Decke, dadurch habe ich mehr Körperspannung.

Nase-8
Gut, um zu lernen, dass es auch noch diese Kopfbewegung gibt.
Kopf-Bewegung in alle Richtungen, dabei immer wieder durch den Mittelpunkt + Hände bewegen Räder mit
Dies macht Spass, weil ich ohne große Anstrengung mit dem Rollstuhl in Bewegung komme. Ich muss darauf achten, NUR den Kopf als Impulsgeber zu nehmen und nicht den Oberkörper (Da jetzt die Hände am Rad sind, stabilisiert das mein Sitzen und die Verführung ist groß.) Also immer wieder zum Kopf zurückkommen.
Ich kann auch mit den Händen experimentieren: fest am Rad lassen oder ab und zu durchgleiten lassen.

Massage der Hände auf den Oberschenkeln
Daran denken, dass die Hände recht passiv sind. Schultern, Ellenbogen und Handgelenke dürfen auch große und links und rechts verschiedene Bewegungen machen.
Das ist angenehm für die Hände, auch für die Arme, denn ich muss sie nicht selbst halten.